Wer oder was soll ich eigentlich sein?

Wer oder was bin ich denn?

Das Leben hat es mir nicht leicht gemacht, ich wusste nicht mal wieso?! Dann kam sie in mein Leben. Irgendwie hat sie mich am Anfang fasziniert, dann inspiriert und letztlich motiviert. Als ich sie zum Ersten mal besuchte, im hohen Norden Deutschlands, sagte sie mir nach einiger Zeit auf den Kopf zu: „Du bist ein Autist!”

Dustin Hofmann bei der Oscar-Verleihung für seine Rolle im Film "Rain Man" Quelle: Wikipedia

Dustin Hofmann bei der Oscar-Verleihung für seine Rolle im Film „Rain Man“
Quelle: Wikipedia

Wie bitte? Was soll ich sein? So ein Blödsinn! Dennoch war meine Neugier geweckt … wie kommt sie auf so eine Aussage? Sie behauptet selbst eine weibliche „Rain Man” zu sein, dabei weiß doch jeder, seit dem Film mit Dustin Hofmann, dass das lebensunfähige Menschen sind, die ohne Hilfe nichts auf die Reihe bekommen, außer vielleicht mathematische Formeln!

Ich bin nur so einer von vielen Computer-Freaks, die mit den Blechkisten auf Du und Du sind, aber das hat doch gar nichts mit Autismus zu tun! Natürlich war ich neugierig und wollte wissen, wie sie auf so eine Aussage kommt. Klar habe ich es nicht immer einfach gehabt im Leben. Die Interaktion mit anderen Menschen fällt mir schwer. Oft habe ich im direkten Dialog mit anderen einfach die falschen Ideen und reagiere nicht so, wie es gewünscht wird. Aber deshalb Autist???

Ich habe mich mit der Sache intensiver befasst. Es gibt also Unterschiede, um nicht zu sagen ein enormes Spektrum von Autismus. Was Hoffmann dargestellt hat, war nur eine Facette davon. Je nach Blickwinkel, wird Autismus von den Menschen total anders gesehen.

Wie uns die Umwelt wahrnimmt. Quelle: http://www.fuchskind.de/

Wie uns die Umwelt wahrnimmt.
Quelle: http://www.fuchskind.de/

Dieses Bild von Fuchskind zeigt sehr gut das Spektrum, wie wer was sieht. Je länger ich mich damit beschäftigt habe, um so mehr Parallele sah ich zu mir und zu meinem bisherigen Leben. Am Anfang hatte mich die Angst im Griff. Kann das wirklich wahr sein? Danach kam das Nachdenken, das Auswerten und Vergleichen mit meiner Situation. Am Schluss kamen dann noch diverse Tests und Auswertungen dazu. Dann stand es fest: Es ist wohl so, wie es ist! Nimm es zur Kenntnis und mache das Beste daraus!

Einfach ist das wirklich nicht! Ein ganzes Leben wird einfach so umgekrempelt. Allerdings lässt es sich nicht von der Hand weisen. So vieles was mir bisher unverständlich war in der Interaktion mit anderen, erklärte sich auf einmal ganz von selbst. Das Bild rundete sich ab. Ich kann es zurückweisen und ignorieren, oder annehmen und das Beste daraus machen.

Die Welt ändert sich, ändere ich mich jetzt auch?

Ich würde sagen nein! Vieles was ich früher einfach so hingenommen habe, in die Schublade „So ist eben die Welt” gesteckt habe, das wird nun verständlich und klar. Noch immer bin ich am sortieren, bewerten und einorden, sowohl der Dinge in meiner Vergangenheit, als auch der Gegenwart. Es macht vieles einfacher, aber auch manches schwieriger.

Wie geht es jetzt weiter? Keine Ahnung, aber ich sehe vielem jetzt mit größerer Gelassenheit entgegen und setze mich selbst nicht mehr so unter Druck, um die Erwartungen der Mitmenschen zu erfüllen. Ich mach mein Ding und dafür bin ich meinem Engelchen unendlich Dankbar ❤ ❤ ❤

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25 Gedanken zu „Wer oder was soll ich eigentlich sein?

    1. Charly Schwarzer Autor

      Danke Dir!
      Es ist in der Tat noch immer neu für mich, aber vieles wird jetzt klarer, deutlicher. Es ich einst nur abgehakt habe, fange ich an zu verstehen.
      🙂

    1. Charly Schwarzer Autor

      Er war Großartig!
      Und auf diesen speziellen Fall bezüglich war er in der Tat sehr realistisch. Den „Rainman“ gab es ja in Wirklichkeit. Er war Autist, Asperger Autismus ist wieder eine andere Variante. Die reicht von gut ans Leben der NTs angepasst, bis total neben der Spur, mal einfach ausgedrückt.
      Ach ja: NT = Neurotypisch = „Die Normalen“ 😉

  1. minibares

    Lieber Charly, das ist echt toll geschrieben, hat mich wirklich beeindruckt.
    Es gibt einen Blog einer Mutter eines autistischen Jungen.
    Sehr liebevoll und gut geschrieben.
    Liebe Grüße Bärbel

    1. Charly Schwarzer Autor

      Danke Dir Bärbel!
      Ja, ich habe im Laufe der Zeit, dank einer Gruppe auf Facebook, eine Menge Menschen kennen gelernt, die entweder autistische Kinder haben, oder selbst welche sind. 🙂

  2. regenbogenlichter

    Ich meine auch, dass es verschiedene Arten von Autismus gibt…nicht nur verschiedene Blicke darauf… und es ist mit Autisten wie mit anderen Menschen, jeder möchte so leben wie er fühlt.
    Lebe wie du dich am besten fühlst und nicht, wie andere es vielleicht erwarten!

    1. Charly Schwarzer Autor

      Danke Dir!
      Ich sage immer Autismus ist ein Regenbogen. Bunt von fast unsichtbar, über alle Farben des Spektrums.
      Ich versuche dort zu leben, wo mich das Schicksal hin gestellt hat. Das dürfte das Beste sein und das wünsche ich Dir und allen anderen Menschen auch. 😀

  3. Follygirl

    Hat mich sehr interessiert, das ist ja wirklich ein weites Feld… und sicher ist das Leben damit nicht gerade einfach.
    LG und einen tollen Sonntag, Petra

    1. Charly Schwarzer Autor

      Ich hab mich in vielen langen Jahren an das Leben der „Normalen“ angepasst, was ich mir nicht erklären kann, was unlogisch erscheint, habe ich dann einfach hingenommen. Heute, mit dem neuen Wissen, ist es allerdings einfacher geworden.
      Dir auch einen sonnigen Sonntag 😀

  4. nandalya

    Autisten kenne ich nur aus dem TV, real bin ich noch keinem begegnet. Das ist Unterschiede gibt war mir dagegen klar. Wobei mir der Fall einer Schreibbekannten einfällt, die ich vor einigen Jahren in einem Forum las. Die Frau ist Journalistin und verfasst auch sehr schöne Prosa. Kurz: Sie ist richtig gut! Wie sie selbst schrieb kann sie mit dem geschriebenen Wort besser umgehen, als mit dem realen Menschen gegenüber.

    Ich finde deine Offenheit super, lieber Charly. Und wie du mit dem Autismus umgehst. Es war bestimmt ein Schock für dich, aber auch eine neue Chance. Und ich glaube, nein ich weiß, dass du sie nutzt! 🙂

  5. kaetheknobloch

    Werter Herr Schwarzer, endlich nahm ich mir die Zeit für einen Gegenbesuch und entdeckte einen neuen Horizonterweiterer. Bloggen fetzt famos, wenn man so spannende Menschen virtuell trifft. Ich lese mal ein wenig quer. Herzlich, Käthe Knobloch.

  6. Gabi

    Sehr interessant und sehr beeindruckend, was Du hier über Dich geschrieben hast. Und ich kann es mir schon gut vorstellen, dass Du Dir mit Deinem neuen Wissen nun leichter tust, so manches besser zu verstehen.
    Alles Gute weiterhin!

    1. Charly Schwarzer Autor

      Vielen Danke!
      Das ist alles noch recht neu und ich bemerke immer wieder, das ich in alte Muster verfalle. Oh ja, ich bin ein recht gut angepasster Aspi, aber das wird immer besser, je mehr ich davon verstehe. 😀

      1. Gabi

        Das ist klar. Alles braucht seine Zeit. Du wirst es sicher schaffen.

        Weisst Du, es ist immer etwas schwer, wenn man in manchen Bereichen irgendwie „anders“ ist, als der Großteil der Menschen, ohne dass je eine „Störung“ festgestellt wurde oder dass man eben gar nicht weiß, dass man eine hat. Manches hat man vielleicht schon seit der Kindheit und manches verstärkt sich oder entwickelt sich oft erst mit den Jahren.
        Man fühlt sich dann oft schlecht und minderwertig, weil man es nicht wirklich schafft, sich bei diesem oder jenem anzupassen und das Verständnis der Mitmenschen ist ja meist auch gering. Man versteht es ja oft selber nicht.
        Man versucht immer dagegen anzukämpfen und sich „zusammenzureissen“, bis man vielleicht irgendwann zur Erkenntnis kommt, es ist einfach so. Und da ist es sicher leichter, wenn das „Kind“ einen Namen hat. Erstens versteht man dann Vieles selber und man könnte es auch seinen Mitmenschen erklären und hoffen, dass auch sie es etwas verstehen.

        Also, alles Gute Charlie! 🙂

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