Smartphone

Die Stille im Bus

Ungewöhnliche Ruhe

Gestern war ich unterwegs. Musste dringend in die Stadt, etwas erledigen. Als ich das erste mal an meiner Haltestelle vorbei kam, platzte diese fast aus den Nähten, lauter Schulkinder! Dachte mir: „Da hast Du aber eine schlechte Zeit erwischt Alter!”. Bei uns sind die Schul- und die Linienbusse nicht getrennt. Ich hatte vorher noch eine Kleinigkeit zu erledigen und als ich zurück kam war es schon überstanden. Die Haltestelle war leer, der Wind rollte ein paar Steppenläufer über den Sand, in der Ferne spielte jemand das Lied vom Tod und ein Mexikaner saß unter seinem riesigen Sombrero an den Fahrplan gelehnt und ich konnte ein leises „Gringo“ hören. Das Klirren meiner Sporen … Halt, stopp!!! Falscher Film!

Die Wirklichkeit

Also kurz gesagt, die Haltestelle war leer. Jedoch zu früh gefreut: Der Bus, der dann kam, war randvoll mit Handys. Ohne Zahl, von allen denkbaren Herstellern, wobei iPhone und Samsung überwogen. An den Smartphones hingen dabei noch jede Menge Kinder. Also wieder ein „Schulbus”. Ok, da muss ich durch! Hinein in die Hölle! Obgleich schon leicht wankend, blieb ich stehen. Die armen Kleinen hatten einen harten Schulalltag vor sich und da darf ich ihnen nicht die letzte Ruhe vor dem Stress nehmen, in dem ich nach einem Platz frage! Sie sahen auch alle sehr beschäftigt aus, mit ihren angewachsenen Handys. Die einen mussten wichtige Missionen mit kleinen rosa – äh – Kaugummiklecksen oder was immer das sein soll, erfüllen! Schien sehr wichtig.

Spielen die nur?

Aber nein! Andere tippten irgendwelche Texte ein, die daneben sitzenden Schüler antworteten auf die gleiche Weise. So schont man die Stimme und der Lautstärkepegel im Bus war bedeutend kleiner als ich es früher gekannt habe. Nur einmal hörte ich zwei Mädchen. Tatsächlich, sie können sprechen! „Eh, hast Du Dein Handy dabei?”

Schülerin ruft Hausaufgaben via Handy ab.

Oh! Die arme Kleine ist scheinbar blind, sonst hätte sie das iPhone doch sicherlich in der Hand ihrer neben ihr sitzenden Freundin gesehen! — Aber nein! Sie hat ja selbst eins. *VerwirrtSchau* Die Antwort lieferte ihre Erklärung: „Na logisch! Hab Gestern Abend noch die ganzen Antworten dort eingetippt. Wenn der Alte die Handys einsammelt bin ich vorbereitet”. Aha! Der elektronische Zweitspicker. Das rückte mein Verständnis für die Jugend wieder ins rechte Bild. 😀

Dann war auch schon die Zielhaltestelle erreicht und die Masse der Handys stürmte mit ihren implantierten Kindern aus dem Bus. Ich hatte mich zum Glück rechtzeitig in eine Nische geworfen, um nicht tot getrampelt zu werden. Eine Busfahrt, die ist lustig. 😉

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19 Gedanken zu „Die Stille im Bus

    1. Charly Schwarzer Autor

      Ich auch nicht. Hab hier oder auf Facebook immer wieder mal von den Auswirkungen der „Handyfizierung“ gelesen und mir gedacht die übertreiben doch. Aber diese Totenstille Gestern im Bus hat mich doch sehr verwirrt.
      Sie sitzen nebeneinander und reden via WatschAb miteinander. 😦

  1. Charlotte

    Stille ist gut. Aber die Auswirkungen dieser ständigen Erreichbarkeit und diese Desozialisierug sind vermutlich eher nicht so gut. Vielleicht aber gut für meinen (hoffentlich) zukünftigen Berufsstand… 😉

  2. giftigeblonde

    Ich musste lächeln jetzt beim Lesen.
    Und ich denke mir was den Kids ihr Handy, ist uns doch unser Blog oder andere Aktivitäten im Netz.
    Deshalb, mag ich die Kinderleins nicht „verurteilen“

    Liebe Grüße Sina

    1. Charly Schwarzer Autor

      Nein, das tue ich auch nicht Sina. Alles hat seine Zeit. Bei mir waren es die Modellflugzeuge, später die echten Flieger und dann die Computer. Heute spielen die Kinder deutlich ungefährlicher. Damals deutlich feuchter, wie mein neuer Beitrag zeigt. 😉

      1. giftigeblonde

        gggggg, ja du hast recht.
        Alles hat seine Zeit und heute ist es halt so, dass sie von klein auf an PC und Smartphones gewöhnt werden.

        Wenn ich denk, als ich in dem Alter war, hab ich mich über einen Kasettenrekorder gefreut ggggggg

        lg Sina

  3. minibares

    Lieber Charly, offensichtlich haben sie keine anderen Sachen, mit denen sie spielen können oder sich beschäftigen. Sie sind schon arm dran, nur diese Smartphones….
    Grins.
    Lachende Grüße und danke für diesen Erlebnisbericht.

  4. Gabi

    Tja, das ist nun mal jetzt so und daran werden wir auch nichts mehr ändern können. Wir hatten halt damals andere „Marotten“, die den Erwachsenen auch nicht gefallen haben.
    Aber der Vorteil ist ja nun die Stille in den Bussen und Straßenbahnen. 🙂 Wenn ich früher in so eine Schulgruppe „reingefallen“ bin, brauchte ich danach Nerventropfen und hatte für mindestens eine Stunde einen Hörschaden. 🙂

    1. Charly Schwarzer Autor

      Stimmt! Es ist schon verwirrend wie ruhig das nun ist. Aber stell Dir mal die Vorteile für die Busunternehmen vor: Weniger Busse notwendig, da auch Menschen mit empfindlichem Gehör nun wieder mitfahren 😀

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