Autismus, was ist das?

Autismus ist bunt!

 Ich bin ein Asperger Autist. Was bedeutet das? Nun, wer mir so im „normalen Leben“ begegnet, dem wird das nicht gleich auffallen. Ich lebe schon sehr lange damit und mir ist eine relativ gute Anpassung an die NTs gelungen. Wer länger mit mir zusammen ist, dem werden einige Eigenarten auffallen, die je nach Situation ganz unterschiedlich sein können.

Heute bin ich 49 Jahre alt und vor etwa 2 Jahren habe ich zum aller ersten mal erfahren. Eine sehr gute Freundin hat mir das auf den Kopf zugesagt und meine erste Reaktion schwankte erst mal zwischen Verwunderung und Entsetzen.

Ich möchte hier nicht ausführlich darauf eingehen, wie genau man Autismus feststellt und was er eigentlich bedeutet, bzw. welche Einschränkungen das mit sich bringt. Das kann die Wikipedia hier viel besser! 🙄

Als ich das erfuhr, war mit noch nicht mal der Begriff Autismus, oder Asperger-Syndrom bekannt, ich hatte den Begriff wie viele zum Ersten mal in dem Film „Rain Man“ mit Dustin Hoffman gehört und konnte zwischen Hoffmans Rolle und mir absolut keine Verbindung erkennen. Im Gegenteil! Das Kopfrechnen war mir zum Beispiel total verhasst! Zahlen sind meine Erzfeinde. Bei einfachsten Aufgaben, die über einstellige Zahlen hinaus geht, greife ich zum Taschenrechner. Ok, ich kenne mich mit Computern einigermaßen (manche sagen sogar sehr gut) aus, aber das bezog ich damals überhaupt nicht auf mich und noch weniger auf Autismus.

Die Rolle, die Hoffman dort spielte, war die eines (tschuldigung für den Ausdruck) Bekloppten, der so unmöglich im normalen Alltag zurecht kommen konnte, was hat das also mit mir zu tun?

Das kam mir schlagartig wieder ins Bewusstsein als mein Engelchen mich damals damit konfrontierte. Sie ist selbst Autistin und scheinbar hat sie dadurch erkannt, wer da fast 47 Jahre lang in mir gesteckt hat, ohne das ich mir dessen überhaupt bewusst war.

Heute bin ich recht gut an die Welt der NTs angepasst. Wer es nicht weiß, der merkt es in der Regel auch nicht. Ab und zu kommt mal ein Overload auf mich zu, dann ziehe ich mich so gut es geht zurück und warte ab, bis sich meine Nerven wieder beruhigt haben. Jedenfalls bin ich froh, das ich jetzt über mich Bescheid weiß. 😀


Auswertungsgrafik zum Autismustest

Auswertungsgrafik


Hier hat Rudy Simone die Schwierigkeiten, auf die Asperger Autisten immer wieder stoßen mal sehr schön zusammen gefasst und hier werden 10 große Irrtümer über Autismus gut erklärt: Rolling Planet – die 10 großen Irrtümer


Update 26.12.2013:

Das hier wollte ich schon lange mal an diese Seite anhängen. Dieser Text, den ich bei einem Mitglied einer Autismus – Gruppe auf Facebook fand, beschreibt den Asperger Autismus sehr gut und passt vom Gefühl her, sehr gut zu mir:

Asperger Syndrom – der unsichtbare Autismus

Menschen mit dem Asperger Syndrom haben wie alle Autisten Probleme bei der Verarbeitung von Reizen, eine sensorische Überempfindlichkeit und Schwierigkeiten auf dem Gebiet der sozialen Beziehungen. Für die Umwelt ist das aber nicht erkennbar – denn diese wirken wie „normale“ Menschen.

Das Besondere am Asperger Syndrom ist, dass es nicht sichtbar ist. Da Men­schen mit Asperger über ein gutes Sprachverständnis und eine normale, oft so­gar überdurchschnittliche Intelligenz verfügen, sind ihre Schwierigkeiten im so­zialen Bereich auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Gerade Menschen mit Asperger – Autismus mit hohen intellektuellen Fähigkei­ten haben oft gelernt, ihre Schwierigkeiten so zu kompensieren, dass der Au­tismus selbst für Fachleute kaum zu erkennen ist. Viele haben sich zu ausge­zeichneten Schauspielern entwickelt, die ihr Anderssein sehr gut verstecken können. Dennoch sind Menschen mit dem Asperger Syndrom autistisch und viele leiden an ihrem Anderssein. Sie sehnen sich danach, sich selbst zu sein, fühlen sich aber gezwungen, eine Rolle zu spielen.

So wenig wie es DEN autistischen Menschen gibt, gibt es DEN Menschen mit Asperger – Autismus. Menschen mit Asperger Syndrom unterscheiden sich ge­nauso voneinander wie neurotypische Menschen. Es gibt sehr schweigsame In­dividuen, die jedem Kontakt aus dem Weg gehen. Es gibt aber auch wortge­wandte Betroffene, die recht mitteilungsfreudig sind und schnell Kontakte knüpfen. Es gibt Menschen mit Asperger Syndrom mit hohen Begabungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und andere wiederum haben Lernschwierigkeiten. Die typischen Merkmale des Autismus sind bei Erwachse­nen mit Asperger Syndrom von außen kaum oder oft gar nicht mehr erkennbar.

 Die positiven Effekte nutzen

Es gibt auch zahlreiche Betroffene, die sich damit abgefunden haben, anders zu sein. Sie haben gelernt, mit ihren Problemen umzugehen und nutzen die po­sitiven Effekte, die mit dem Asperger Syndrom einhergehen können.

Beispielsweise führt die Naivität, die Menschen mit Asperger Syndrom häufig an den Tag legen, weil sie bestimmte Situationen nicht einordnen können, dazu, dass viele von Grund auf ehrliche Menschen sind und ungeachtet mögli­cher sozialer Nachteile ihre Meinung kundtun. Dies kann zwar durchaus zu Pro­blemen führen, ist ja aber eigentlich eine positive Eigenschaft, von der Freun­de, Gesellschaft und auch Arbeitgeber profitieren könn(t)en. Menschen mit dem Asperger Syndrom sind ordnungsliebend und detailgenau.

Hochkonzentriert und detailgenau.

Mitarbeiter mit Asperger Syndrom sind es auch gewohnt, über längere Zeit hochkonzentriert und mit viel Engagement die gleiche Arbeit zu verrichten, wenn es sich um eine Lieblingsbeschäftigung handelt. Sie sind detailgenau, verfügen über analytisches und logisches Denken. Im beruflichen Bereich kann es für sie ein Vorteil sein, dass viele ein Spezialgebiet aufweisen, auf dem sie durch ihr Interesse sehr großes Wissen anhäufen.

Arbeitgeber können also profitieren, müssen aber auch bereit sein, ein ent­sprechendes Arbeitsumfeld für Menschen mit dem Asperger Syndrom zu schaf­fen und auch Schwächen zu akzeptieren, wie eben Probleme in der sozialen In­teraktion, wenig Selbstvertrauen, mangelnde Flexibilität oder wenig Spontanei­tät.

Asperger entdecken, nicht diagnostizieren

Generell kann das Asperger Syndrom als starke Ausprägung von Charakterzü­gen und Fähigkeiten aufgefasst werden. Carol Gray, eine Beraterin für Schüler mit Autismus, und der Asperger – Spezialist Tony Atwood behandeln in einer Studie mit dem Titel „Die Entdeckung von ‚Aspie’“ diese Thematik. Und ihre zentrale These lautet: Das Asperger Syndrom wird nicht diagnostiziert, es wird entdeckt, genau so wie man Musikertalente, Freunde, Talente oder Eigenarten entdeckt.

Genau das, was dadurch entdeckt wird, bezeichnen die Forscher als „Aspie“. Dieser Begriff wird definiert über Aspekte wie Loyalität, Unvoreingenommen­heit, Offenheit, Vertretung eigener Theorien und Meinungen, Enthusiasmus für bestimmte Ideen, Vermeidung oberflächlicher und damit nutzloser Unterhal­tungen, Wortgewandtheit, Detailgenauigkeit, Kreativität, gutes Gedächtnis, Be­harrlichkeit, Ordnungsliebe, Verständnis und einige andere Eigenschaften.

12 Gedanken zu „Autismus, was ist das?

  1. maedel

    stimmt, Dustin Hofmann spiel die Rolle des Rainman. Im Film wurde RainMan zwar auch als Autist dargestellt, aber die Vorlage zu RainMan lieferte Kim Peek, der vielleicht bekannteste Savant (und kein Autist). Daher auch die Inselbegabung und kongnitiven Einschränkungen.

    Antwort
  2. Pingback: Profilbildwirrwarr! | Charly's Welt

  3. Ossiblock

    Meinen Respekt für diese mutige Seite Charly!
    Chapeau!

    Ich finde es gut, wenn Menschen offen sind – denn das macht sie aus.
    Und: Fehler haben nur die, die lügen. LG aus Berlin

    Antwort
    1. Charly Schwarzer Autor

      Danke! Ich habe auch lange überlegt, ob ich das öffentlich mache. Hätte ich das in jungen Jahren gewusst, dann vielleicht nicht, aber man versucht sich an die Welt der Neurotypischen immer mehr anzupassen. Ich glaube es ist richtig! 😀

      Antwort

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